Bauteilgrößen, steigende Nachweispflichten und ein wachsender Automatisierungsgrad verändern die Zerstörungsfreie Prüfung grundlegend. Was lange als begleitender Qualitätsschritt galt, entwickelt sich zunehmend zu einem integralen Bestandteil der fertigungstechnischen Prozesskette.
Diese Entwicklung stand im Mittelpunkt des 267. Treffens des DGZfP Connect Halle-Leipzig (ehemals Arbeitskreis Halle-Leipzig), das gemeinsam mit den DVS-Bezirksverbänden Halle und Leipzig in der SLV Halle GmbH stattfand. 35 Fachleute aus Industrie, Forschung und Lehre diskutierten aktuelle Entwicklungen und deren Auswirkungen auf die Prüfpraxis.
Integration statt Nachlauf: ZfP im Wandel der Fertigung
Mit wachsender Bauteilkomplexität verändern sich die Randbedingungen für Prüfverfahren deutlich. Reproduzierbarkeit, Skalierbarkeit und der Einsatz unter realen Baustellenbedingungen rücken stärker in den Fokus. Damit wächst auch die Verantwortung für belastbare Bewertungen im laufenden Betrieb.
Steffen Wagner, Koordinator des DGZfP Connect Halle-Leipzig und Geschäftsführer der SLV Halle GmbH, ordnete diese Entwicklung ein: „Zerstörungsfreie Prüfung wird zunehmend in die Fertigung integriert. Entscheidungen zur Bauteilfreigabe entstehen heute parallel zum Prozess und nicht erst danach.“ Zerstörungsfreie Prüfverfahren übernehmen damit eine zentrale Rolle zwischen Fertigung und Qualitätssicherung. Oberflächenprüfung, Ultraschall- und Durchstrahlungsprüfung sowie weitere Prüfverfahren liefern belastbare Entscheidungsgrundlagen für Produktion, Abnahme und Betrieb.

Steffen Wagner, Koordinator DGZfP Connect Halle-Leipzig und Geschäftsführer der SLV Halle GmbH, über die ZfP als integraler Bestandteil der Prozesskette. © SLV Halle GmbH
Ein zentrales Thema der Sitzung war die Einordnung aktueller Technologien. Viele Verfahren lassen sich erst bewerten, wenn ihre Entstehung nachvollziehbar ist.
Historie als Schlüssel zum Verständnis moderner Prüftechnik
Dr. Günter Hesse, Dr. Martin Ströfer und Prof. Steffen Keitel stellten die Chronik „Schweißtechnik im Grünen – Die Jahre 1930 bis 1991“ vor. Sie zeigt zentrale Stationen des Standorts, von der Schweißlehranstalt der 1930er Jahre über das Zentralinstitut der DDR bis zur SLV Halle GmbH seit 1991. Als langjährige ZIS-Mitarbeiter und Geschäftsführer verbinden sie historische Einordnung mit persönlichen Erinnerungen, Anekdoten und Episoden aus dem Institutsalltag und formen so ein Stück industriell-wissenschaftliche Kulturgeschichte.
Das DVS-Schaudepot macht diese sichtbar. Als Teil der historischen Sammlung des DVS umfasst es unter anderem Exponate aus der SLV Halle GmbH. Obmann Dr. Hans-Georg Groß und Christoph Gajda zeigten anhand ausgewählter Beispiele, wie Schadensanalysen, Werkstoffe und Sicherheitsanforderungen Prüfverfahren geprägt haben. Frühe Anwendungen der Röntgenprüfung und erste Automatisierungslösungen belegen, dass zentrale Grundlagen heutiger Prüftechnik am Standort Halle seit Jahrzehnten verankert sind.

Obmann Dr. Hans-Georg Groß (r.) über ausgewählte Exponate aus der Zerstörungsfreien Prüfung im DVS-Schaudepot. © SLV Halle GmbH
Schnittstelle mit Zukunft: ZfP zwischen Technik, Norm und Praxis
Zerstörungsfreie Prüfung lässt sich nicht auf einzelne Verfahren reduzieren. Die Diskussion macht deutlich, dass sie sich zu einer zentralen Schnittstelle der Fügetechnik entwickelt, in der technische, normative und betriebliche Anforderungen zusammenlaufen.
Die SLV Halle GmbH greift betriebliche Fragestellungen aus der Industrie auf, entwickelt daraus anwendbare Prüf- und Bewertungsverfahren und überführt diese in strukturierte Qualifizierungsangebote. So entsteht ein direkter Transfer von Anwendung zu Kompetenz.

Einblick in das DVS-Schaudepot. © SLV Halle GmbH