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© ScanPyramids Team

Im Inneren der Großen Pyramide von Gizeh

Wie moderne ZfP-Technik antike Geheimnisse sichtbar macht

Was verbirgt sich im Inneren der Großen Pyramide von Gizeh? Mit modernsten Verfahren der Zerstörungsfreien Prüfung (ZfP) sucht das internationale Forschungsprojekt „ScanPyramids“ nach Antworten. Dabei gelang es bereits, bislang unbekannte Hohlräume nachzuweisen und erstmals sichtbar zu machen. Anfang Oktober geben zwei öffentliche Vorträge in Berlin und München spannende Einblicke in die Forschung hinter den spektakulären Entdeckungen.

Wenn Hightech auf antike Mysterien trifft

Die Pyramiden von Gizeh gehören zu den bekanntesten Bauwerken der Welt. Wie sie vor rund 4.500 Jahren errichtet wurden, beschäftigt Forschende seit Jahrhunderten. Antworten liefert das internationale Projekt „ScanPyramids“, an dem Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus verschiedenen Ländern mit Genehmigung des Supreme Council of Antiquities des Staates Ägypten seit 2015 arbeiten.

Ziel ist es, mit modernsten zerstörungsfreien Prüfverfahren verborgene Hohlräume, Korridore und andere bislang unbekannte Strukturen aufzuspüren, ohne die einzigartige historische Substanz zu beschädigen. Zum Einsatz kommen unter anderem Ultraschall, Radar, Thermografie, elektrische Widerstandstomografie und Myonentomografie.

Eine Entdeckung, die um die Welt ging

Zu den bekanntesten Erfolgen des Projekts zählt die Entdeckung des sogenannten „North Face Corridor“ in der Cheops-Pyramide 2023. Der rund neun Meter lange Hohlraum wurde zunächst durch Thermografie und Myonentomografie nachgewiesen und später durch weitere ZfP-Verfahren genauer untersucht. Schließlich gelang es den Forschenden, durch einen nur wenige Millimeter breiten vorhandenen Spalt zwischen den Steinblöcken ein Endoskop einzuführen und erstmals Bilder aus dem Inneren des Korridors aufzunehmen.

Für die Projektbeteiligten war dieser Moment etwas Besonderes. Prof. Mohamed Elkarmoty, Stellvertretender Koordinator des „ScanPyramids“-Projekts und Co-Inhaber des UNESCO-Lehrstuhls für Wissenschaft und Technologie im Kulturerbe an der Universität Kairo, beschreibt den ersten Blick in den bislang verborgenen Raum als einen Moment, den niemand aus dem Team jemals vergessen werde.

Virtuelle Reise in einen 4.500 Jahre alten Raum

Besonders beeindruckend ist, was aus den gewonnenen Daten entstanden ist: Durch tausende Aufnahmen konnte ein digitales 3D-Modell des Korridors erstellt werden. Dieses ermöglicht heute virtuelle Einblicke in einen Raum, der seit etwa 4.500 Jahren unberührt geblieben ist. Die Forschenden sprechen von einem digitalen Zwilling des Korridors, der künftig weitere Untersuchungen unterstützen soll.

Daneben sorgt vor allem der sogenannte „Big Void“ für internationales Interesse. Der bereits 2017 entdeckte Hohlraum oberhalb der Großen Galerie gehört zu den bedeutendsten archäologischen Entdeckungen der vergangenen Jahrzehnte. Aktuell arbeiten die Forschenden daran, seine genaue Form und Struktur besser zu verstehen und die Ergebnisse mit weiteren zerstörungsfreien Verfahren zu verifizieren. Weitere Anomalien in der Pyramide von Menkaure, der drittgrößten Pyramide von Gizeh, wurden kürzlich entdeckt und als verborgene Hohlräume identifiziert.

Prof. Mohamed Elkarmoty (l.) und Prof. Christian Grosse bei einer gemeinsamen Präsentation ihrer Forschungsergebnisse aus dem Projekt „ScanPyramids“.

Warum die ZfP dabei eine Schlüsselrolle spielt

Die Untersuchungen zeigen eindrucksvoll, welche Möglichkeiten moderne zerstörungsfreie Prüfverfahren bieten. Gerade bei einzigartigen Kulturgütern wie den Pyramiden sind invasive Eingriffe ausgeschlossen. Jede Untersuchung muss vollständig zerstörungsfrei erfolgen.

Deshalb kombiniert „ScanPyramids“ verschiedene Prüfverfahren zu einem sogenannten multimodalen Ansatz. Messdaten aus Radar-, Ultraschall-, Thermografie- und weiteren Verfahren werden mithilfe numerischer Simulationen und moderner Datenfusion zusammengeführt. So entsteht Schritt für Schritt ein immer genaueres Bild des Inneren der Bauwerke.

Die Erkenntnisse sind nicht nur für die Archäologie relevant. Viele der entwickelten Methoden können künftig auch bei der Untersuchung historischer Bauwerke, Denkmäler oder komplexer Ingenieurbauwerke eingesetzt werden. Darüber hinaus kommen moderne Verfahren der Bildverarbeitung, Mustererkennung und künstlichen Intelligenz zum Einsatz.

Zwei Vorträge mit exklusiven Einblicken

Wer mehr über das Projekt erfahren möchte, hat Anfang Oktober gleich zweimal Gelegenheit dazu. Gemeinsam präsentieren Prof. Christian Grosse, Inhaber des Lehrstuhls für Zerstörungsfreie Prüfung an der Technischen Universität München und Prof. Mohamed Elkarmoty aktuelle Ergebnisse aus dem Projekt und geben spannende Einblicke hinter die Kulissen der Forschungsarbeit. Dabei werden auch neue Visualisierungen und digitale Modelle des „North Face Corridor“ vorgestellt.

Berlin

Im Inneren der Großen Pyramide von Gizeh – Wenn Forschung auf antike Mysterien trifft
📅 1. Oktober 2026
🕕 17:00 Uhr
📍 Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM)

Um Anmeldung wird gebeten. Die Teilnahme ist kostenfrei.

München

Inside the Great Pyramid
📅 2. Oktober 2026
🕕 18:00 Uhr
📍 Staatliches Museum Ägyptischer Kunst München

Keine Anmeldung erforderlich. Die Teilnahme ist kostenfrei.

Faszination Pyramide

Wie und warum wurden die Pyramiden gebaut? Welche Geheimnisse verbergen sich noch hinter den Steinmauern? Viele Fragen sind bis heute offen. Genau das macht das Projekt „ScanPyramids“ so faszinierend.

Wer sich für Wissenschaft, Geschichte, Archäologie und zerstörungsfreie Prüfverfahren interessiert, erhält bei den Vorträgen eine seltene Gelegenheit, direkt mit den Forschenden aus einem der spannendsten Forschungsprojekte unserer Zeit zu sprechen. Die Kombination aus internationaler Forschung, modernster Technik und einem der größten Rätsel der Menschheitsgeschichte verspricht einen außergewöhnlichen Abend.

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