Impressionen aus Magdeburg
Material Truth 2026 in Magdeburg
Das Seminar „Material Truth 2026“ in Magdeburg brachte Fachleute aus Wissenschaft, Kulturerbe und Zerstörungsfreier Prüfung zusammen. Im Fokus: innovative Methoden zur Analyse und Erhaltung historischer Objekte – von der Antike bis zur Moderne.
Fachleute aus den Bereichen Archäologie, Materialwissenschaften, Restaurierung, Herstellung von Prüfmitteln, Kuratierung, ZfP, Historienforschung – Berufsgruppen, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Und doch kam eine solche Kombination erneut zusammen. Nach dem erfolgreichen Auftakt 2024 in Quedlinburg fand das Seminar „Material Truth“ in diesem Jahr in Magdeburg statt. Zwei anregende Tage voller Geschichte und ZfP auf höchstem Niveau.
Ziel des Seminars ist es, einen Austausch zwischen Wissenschaft und Kulturerbe zu schaffen. Die Teilnehmenden stammen aus unterschiedlichen Fachdisziplinen mit eigenen Anforderungen. Entsprechend komplex war das Vortragsprogramm: von Mumien und versilbertem Kupfer der Antike über Gemälde der Renaissance bis zur Pop-Art der Moderne. Thematisiert wurden Objekte aus über 5.000 Jahren Menschheitsgeschichte.
Auch die Untersuchungsmethoden waren breit gefächert – von minimalinvasiver Metallographie und Korrosionsdiagnostik über etablierte ZfP-Techniken wie Röntgen-, Wirbelstrom- und geomagnetische Verfahren bis hin zum Synchrotron. Ebenso wurden die Möglichkeiten KI-gestützter Datenauswertung behandelt.
Objekt und Prüfmethode sind eng miteinander verwoben. Bei der Untersuchung bedeutender Kulturgüter gilt der Grundsatz: minimaler Eingriff in die Integrität des Objekts bei maximalem Erkenntnisgewinn. Die Beiträge zeigten eindrucksvoll, welche Möglichkeiten moderne Verfahren hierfür bieten.
Ein Highlight war der Keynote-Vortrag von Prof. Albert Zink (Staatssammlung für Anthropologie München) zu Ötzi und der modernen Mumienforschung. Neben Erkenntnissen zu Leben und Sterben des Ötzi zeigte er, wie dessen Erforschung die Entwicklung moderner Untersuchungsmethoden beeinflusst hat, die heute in der klinischen Praxis Anwendung finden.
Weitere Vorträge präsentierten unter anderem ein multimodales, zerstörungsfreies Verfahren zur Analyse von Farbschichten in der Kapelle St. Emmeram in Regensburg sowie Untersuchungen historischer Farbschichten an einem Flugzeug – beide mit Blick auf eine authentische Restaurierung.
Im Bauwesen reichten die Themen von der messtechnischen Überwachung der Verlegung der Tempel von Abu Simbel bis zu Möglichkeiten zerstörungsfreier Diagnostik historischer Bauwerke.
Eine Session zur Originalität widmete sich unter anderem dem „originalen“ Da-Vinci-Globus. Der Nachruf auf Christian Segebade, der sich intensiv mit Fälschungsprüfung befasste, bildete einen fachlich und emotional prägenden Moment. Auffällig: Obwohl Fälschungen wissenschaftlich nachweisbar sind, stoßen diese Erkenntnisse im Kunsthandel nicht immer auf Zustimmung.
Die Komplexität von Restaurierungen wurde anhand des Berliner House Ball in zwei Beiträgen deutlich.
Das Spektrum der Vorträge war breit, vereint durch die Kombination aus historischem Kontext, zerstörungsfreier Analyse und der Frage, wie Kulturgüter langfristig erhalten werden können.
Die begleitende Ausstellung ergänzte das Programm und bot Gelegenheit zum direkten Austausch mit Hersteller*innen über Anwendungen, Grenzen und Entwicklungen.
Dass historische Forschung keineswegs verstaubt ist, zeigte auch ein Gießversuch in der Mittagspause: Dabei wurde eine Aluminiumlegierung aus dem Jahr 1904 rekonstruiert. Solche praktischen Ansätze helfen, historische Techniken – sei es in der Malerei, Schmiedekunst oder im Guss – besser nachzuvollziehen.
Das Seminar fand im neuen Ausbildungszentrum der DGZfP in Magdeburg statt. Das Abendprogramm im Kunstmuseum im ehemaligen Kloster Unser Lieben Frauen – dem ältesten Bauwerk der Stadt – bot einen passenden Rahmen. Die Verbindung von historischem Ambiente und moderner Nutzung spiegelte eindrucksvoll die inhaltliche Ausrichtung der Veranstaltung wider.
Das große Interesse an dem Seminar zeigte sich bereits bei der Vortragsanmeldung: Die Plätze waren schnell vergeben, die Kapazitäten nahezu ausgeschöpft. Deutlich wurde auch die zentrale Frage nach den Kosten: Welche Untersuchungen und Restaurierungen sind finanzierbar?
Die Entscheidung darüber liegt oft auf politischer Ebene. Dennoch bleibt die Frage, welchen Wert Kulturgut heute hat. In dynamischen Zeiten kann der Blick in die Vergangenheit helfen, Entwicklungen zu verstehen und daraus zu lernen. Voraussetzung dafür ist, Kulturgut zu erforschen und zu erhalten.
Neben den Vorträgen, der Ausstellung und dem Rahmenprogramm prägte vor allem die intensive Diskussion das Seminar. Der Austausch zwischen den Disziplinen eröffnete neue Perspektiven und Impulse. Die Vorfreude auf die dritte Ausgabe dieser Tagung ist entsprechend groß.
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