Mit der zweiten Fachtagung Bauwerksprüfung nach DIN 1076 hat sich das neue Veranstaltungsformat des VFIB e. V. eindrucksvoll präsentiert. Nach dem erfolgreichen Auftakt 2023 zeigte auch die zweite Ausgabe, dass die Bauwerksprüfung im Zentrum der aktuellen Infrastrukturdebatte steht. Dank gilt hier den Vortragenden, den Ausstellenden und dem Organisationsteam. Die DGZfP war wieder mit einem Informationsstand präsent. Das Interesse zu unseren Schulungsinhalten und der Arbeit unseres Fachausschusses ZfP im Bauwesen (ZfPBau) war bei Behörden, Ingenieurbüros und Industrie deutlich spürbar.

Michael Schmidt (li.), Sven Rühe (re.) und Dr. Andreas Heyn (nicht im Bild) informierten zu den Qualifizierungsangeboten der DGZfP rund um die ZfP im Bauwesen.
Im Mittelpunkt des Vortragsprogramms standen aktuelle Herausforderungen der Bauwerksprüfung im Spannungsfeld von Digitalisierung, Schadensanalyse und Monitoring. Diskutiert wurden digitale Prüf- und Dokumentationsprozesse, KI-gestützte Auswertemethoden sowie moderne Konzepte des Bauwerksmonitorings. Praxisberichte zu konkreten Bauwerken – darunter die Carolabrücke in Dresden – zeigten eindrücklich, wie messtechnische Untersuchungen zur Bewertung von Tragfähigkeit, Schädigungsgrad und Instandsetzungsstrategie beitragen. Ergänzend wurden Fragen der normgerechten Dokumentation nach DIN 1076 sowie technische Entwicklungen bei Prüf- und Besichtigungsgeräten vorgestellt. Insgesamt wurde deutlich, dass moderne Bauwerksprüfung zunehmend datenbasiert, strukturiert und technologiegestützt erfolgt.

Live-Vorführungen zeigten eindrücklich, welche Möglichkeiten die ZfP im Bauwesen mitbringt.
Bei vielen Besucherinnen und Besuchern verstärkte sich der Eindruck, dass die zerstörungsfreie Prüfung im Bauwesen sich vom ehemals ergänzenden Spezialverfahren zum unverzichtbaren Werkzeug der Bauwerksdiagnose entwickelt hat. Dort, wo die visuelle Prüfung an Grenzen stößt, liefern Ultraschall, Radar, Impact-Echo, Potentialfeldmessung und verschiedenste Monitoring-Systeme entscheidende Zusatzinformationen.
ZfP ermöglicht es, Schäden frühzeitig zu erkennen, Bauwerkszustände objektiv zu quantifizieren und auf Basis der gewonnenen Ergebnisse Instandsetzungsmaßnahmen gezielt zu planen und umzusetzen. Damit wird sie zu einem wesentlichen Baustein für belastbare Zustandsprognosen und nachhaltige Erhaltungsstrategien.
Doch Technik allein genügt nicht. Die Aussagekraft von ZfP-Ergebnissen hängt maßgeblich von der Qualifikation des Prüfpersonals ab. Sie ist ein wichtiger Bestandteil für reproduzier- und vergleichbare und damit anerkannte und wertvolle Prüfergebnisse, womit Ausführende und Aufraggeber*innen gleichermaßen abgesichert sind. Mit der Einführung der DIN 4871 wurde erstmals ein klar strukturierter Qualifizierungsrahmen für ZfP im Bauwesen geschaffen. Dieses Engagement kam aus den Reihen unserer ehrenamtlichen Mitstreiter des DGZfP-Fachausschusses ZfPBau. Die Umsetzung erfolgt am jüngst erweiterten Ausbildungsstandort in Magdeburg, wo theoretische Ausbildung mit Unterstützung anerkannter Expert*innen und praktischen Erfahrungen an einer Fülle von Testkörpern vermittelt werden. Die modular aufgebaute ZfPBau-Qualifizierung verbindet physikalische Grundlagen mit baupraktischer Anwendung und schließt damit eine lange bestehende Lücke zwischen klassischer Industrie-ZfP und den spezifischen Anforderungen der Bauwerksprüfung.
Die Botschaft der Tagung ist klar:
Wer die Zukunft der Brückenprüfung aktiv mitgestalten will, kommt an qualitätsgesicherter, normativ verankerter ZfP nicht vorbei.
Für die ZfP-Gemeinschaft eröffnet sich hier ein wachsendes, gesellschaftlich hochrelevantes Tätigkeitsfeld – mit Verantwortung und großen Potenzialen.

Die große Zahl an Teilnehmenden zeigte einmal mehr wie groß das Interesse an der Bauwerksprüfung in Deutschland ist.