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Über die Zukunft der Arbeitskreise

Veröffentlicht am Donnerstag, 26. September 2019.

Nahezu alle DGZfP-Arbeitskreise in Deutschland, Dresden eingeschlossen, funktionieren nach dem gleichen Prinzip: Pro Veranstaltung gibt es ein oder zwei Fachvorträge mit anschließender Diskussion, von Fall zu Fall auch Exkursionen zu Unternehmen und Forschungseinrichtungen, dann meist ebenfalls mit Vortrag und der obligatorischen Haus- oder Laborführung.

Obwohl sich dieser Veranstaltungsmodus grundsätzlich bewährt hat, fällt es zunehmend schwer, den Nachwuchs für die Arbeitskreise (dauerhaft) zu begeistern. Der Altersdurchschnitt in den DGZfP-Arbeitskreisen ist hoch und liegt zum Teil bei über 55 Jahren. Dies scheint allerdings kein generelles Problem der DGZfP zu sein, wie die recht hohen Teilnehmerzahlen junger Leute auf den Jahrestagungen und auch die Aktivitäten in der U 35-Mitgliedergruppe belegen.

Warum haben die Arbeitskreise zu wenig junges Publikum?

Als Arbeitskreisleiter fühlen wir uns verpflichtet, uns Gedanken über neue und vielleicht auch modernere Formate des AK zu machen. Aus diesem Grund fand am 22. August 2019 am Fraunhofer IKTS in Dresden eine eher ungewöhnliche Arbeitskreissitzung statt, auf der ausführlich über die derzeitige und zukünftige Gestaltung des Arbeitskreises diskutiert wurde.

Wie aufgrund des außergewöhnlichen Themas und des noch hochsommerlichen Termins zu erwarten war, nahm mit 13 Gästen rund ein Drittel weniger Personen an der Sitzung teil als regulär. Erfreulich war jedoch das Erscheinen einiger junger und diskussionsfreudiger Teilnehmer aus dem Umfeld der TU Dresden. Die geringere Teilnehmerzahl war bei der Vorbereitung jedoch durchaus nicht ungewollt, um die Diskussion möglichst fokussiert und in einem noch moderaten zeitlichen Rahmen durchführen zu können.

Dr. Frank Schubert, Leiter des AK Dresden, begann die Veranstaltung mit einem Impulsvortrag, in dem er eine kurze Bestandsaufnahme über die Altersstruktur des Arbeitskreises präsentierte und das Problem der Nachwuchsgewinnung aus seiner Sicht darstellte. Dabei gab er einen interessanten anonymisierten Überblick über die zahlreichen schriftlichen Wortmeldungen, die ihn im Vorfeld der AK-Sitzung erreicht hatten und in denen konkrete Gründe für das Fernbleiben junger Leute genannt wurden.

Zu den Gründen zählen insbesondere:

  • die hohe Arbeitsbelastung, insbesondere im KMU-Bereich
  • die zunehmende Wichtigkeit einer gesunden „Work-Life-Balance“, insbesondere bei Familien mit Kindern
  • eine unzureichende Kenntnis der DGZfP-Arbeitskreise in den naturwissenschaftlich-technischen und Ingenieurstudiengängen
  • die sinkende Bedeutung der Arbeitskreise als reine Informations- und Vernetzungsveranstaltungen durch das Aufkommen von Internetportalen sowie berufs- und fachspezifischen sozialen Netzwerken

Frank Schubert schloss seine Übersicht mit dem Fazit, dass die Arbeitskreise aus seiner Sicht neue Alleinstellungsmerkmale schaffen müssten, insbesondere im Bereich der Weiterbildung, der Forschung und Entwicklung sowie der Gerätetechnik. Auch der lokale bzw. regionale Vernetzungsgedanke müsse noch aktiver als bisher vorangetrieben werden.

Konkrete Änderungsvorschläge der AK-Leiter

Dr. Andreas Thomas, neben Markus Arnold stellvertretender Leiter des Dresdner AK und Geschäftsführer der Siempelkamp Prüf- und Gutachter-Gesellschaft mbH, machte anschließend eine Reihe von konkreten Vorschlägen – teils spezifisch für den AK Dresden, teils auch allgemein.

Zu den Änderungsvorschlägen zählten u.a.:

  • das Ansprechen von Studierenden an Hochschulen
  • die Realisierung von zwei Vorträgen je Veranstaltung (in Dresden bisher ein Vortrag)
  • häufigere Firmenbesuche
  • Workshops an Gymnasien mit praktischen Beispielen
  • mehr Gerätevorführungen
  • die stärkere Einbindung der Dresdner Spitzenforschung
  • ein aktiveres Ansprechen von Mittelständlern und Geräteherstellern sowie gemeinsame sächsisch/mitteldeutsche Akkreditierungstreffen zum Austausch, in denen auch Fragen der Normung und Standardisierung erörtert werden können

Frank Schubert stellte ergänzend weitere mögliche Formate vor:

  • moderierte Podiumsdiskussionen
  • Fortbildungsveranstaltungen mit praktischen Übungen
  • „echte“ Arbeitskreise mit aktiver Diskussion über ZfP-Anliegen (z.B. Fragen zur Initiierung neuer F&E-Projekte, Beratung bei Anschaffung/Betrieb von Prüfgeräten, Fragen zu ungelösten Prüfaufgaben etc.)
  • einen sächsischen ZfP-Tag mit Geräteausstellungen, Projektpräsentationen, Diskussionsforen etc.

Er verwies darauf, dass viele der genannten Formate mit einem erheblichen Organisationsaufwand verbunden und daher lediglich in größeren zeitlichen Abständen bzw. nur bei Bedarf und Anlass zu realisieren wären.

Seiner Einschätzung nach hätten insbesondere der „echte“ Arbeitskreisgedanke sowie ein jährlich oder zweijährig stattfindender sächsischer ZfP-Tag das größte Potential hinsichtlich des zu schaffenden Mehrwerts für die AK-Mitglieder. Zumal damit auch die regionale Ausrichtung des Arbeitskreises unterstrichen würde und es zu keiner inhaltlichen Überschneidung mit Fach- und Unterausschüssen käme.

Viele der genannten Formate setzten allerdings eine aktive Zuarbeit der Mitglieder voraus und müssten sich inhaltlich auf Themen beschränken, die nicht der betrieblichen Geheimhaltung unterliegen.

Diskussion und weitere Ideen

Die Vorschläge der AK-Leitung wurden von allen Anwesenden sehr lebhaft diskutiert, wobei es viele Wortmeldungen mit weiteren konstruktiven Ideen gab. Beispielsweise bei der Vortragswahl auf Alltagsthemen aus der Region Dresden zu achten – wie z.B. der Instandhaltung und Überwachung lokaler Bauwerke und Anlagen. Oder den Wochentag für Arbeitskreissitzungen zwischen Dienstag, Mittwoch und Donnerstag wechseln zu lassen, um Interessierten, die am sonst üblichen Donnerstag private Verpflichtungen hätten, die Teilnahme zu ermöglichen.

Resümee

Frank Schubert schloss die Diskussionsrunde nach gut zwei Stunden, wobei er einige erste Maßnahmen zur Erhöhung der Teilnehmerzahlen ankündigte. Die AK-Einladungen sollen zukünftig verstärkt an den lokalen Hochschulen und Ausbildungsstätten verbreitet werden, wobei der effizienteste Weg in der Einbeziehung der in Frage kommenden Professuren und deren Sekretariate besteht. Weiterhin soll die neue Social-Media-Redakteurin Julia Willich von der DGZfP intensiv einbezogen werden. Darüber hinaus kündigte er eine Umfrage zur Bewertung der vorgeschlagenen Neuerungen an, um einen Überblick über die aussichtsreichsten Formate zu erhalten.

Als Fazit der Veranstaltung bleibt festzuhalten, dass es jede Menge kluger Ideen für die zukünftige Gestaltung der Arbeitskreise gibt und dass viele Mitglieder und Gäste bereit sind, sich aktiv an diesem Entwicklungsprozess zu beteiligen. Die Dresdner AK-Leitung verfügt nunmehr über ein beachtliches Arsenal neuer Gestaltungsmöglichkeiten und ist optimistisch, damit zukünftig eine deutliche Senkung des Altersdurchschnitts ihres AK erreichen zu können. Die nächsten Jahre werden zeigen, ob wir damit Erfolg haben.

Autoren: Dr. Frank Schubert, Dr. Andreas Thomas, Markus Arnold (Leitung des AK Dresden)

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